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Microsoft 365 oder Google Workspace: Was passt zu welchem Betrieb?

Betriebe, die täglich mit Word, Excel und Outlook arbeiten oder eine Branchensoftware einsetzen, sind mit Microsoft 365 besser bedient. Google Workspace passt zu Teams, die fast alles im Browser erledigen und kaum von Office-Dateien abhängen. Der Vergleich zeigt, wo sich die beiden Pakete im Büroalltag wirklich unterscheiden.

Von Mike Heinbuch6 Minuten Lesezeit

Titelgrafik zum Beitrag: Microsoft oder Google

Kurz gesagt

  • Beide Pakete bringen E-Mail mit eigener Domain, Kalender, Dateiablage, Videobesprechungen und Büroprogramme in einem Abo mit.
  • Microsoft 365 ist im Vorteil, sobald Office-Dateien, Outlook, geteilte Postfächer oder eine Branchensoftware zum Alltag gehören.
  • Google Workspace ist schneller erlernt und spielt seine Stärke aus, wenn mehrere Personen gleichzeitig im Browser an einem Dokument arbeiten.
  • Beide Systeme nebeneinander zu betreiben, bedeutet doppelte Pflege. Eine klare Entscheidung für eine Seite spart auf Dauer Arbeit.

Was beide Pakete gleich gut können

Auf dem Papier sehen sich die beiden Angebote sehr ähnlich. Beide werden je Person im Abo gebucht und liefern E-Mail mit eigener Domain, Kalender, Dateiablage, Videobesprechungen und Büroprogramme. Beide laufen auf Rechner, Tablet und Handy.

Der Unterschied liegt in der Herkunft. Microsoft kommt vom Programm, das auf dem Rechner installiert ist, und hat die Zusammenarbeit über das Internet später ergänzt. Google hat von Anfang an für den Browser gebaut. Diese Herkunft merkt man bis heute an fast jeder Stelle.

Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

BereichMicrosoft 365Google Workspace
E-Mail und KalenderExchange Online, meist mit Outlook. Geteilte Postfächer für Adressen wie info@Gmail und Google Kalender im Browser. Gemeinsame Adressen über Gruppen oder Vertretungen
BüroprogrammeWord, Excel und PowerPoint, je nach Tarif installiert oder nur im BrowserDocs, Tabellen und Präsentationen im Browser
DateiablageSharePoint für den Betrieb, OneDrive für die einzelne PersonGoogle Drive, je nach Tarif mit geteilten Ablagen für Teams
Besprechungen und ChatTeams, je nach Tarif enthalten oder zusätzlich gebuchtMeet und Chat
Arbeiten ohne InternetMit installierten Programmen ohne EinschränkungNur nach vorheriger Einrichtung und mit weniger Umfang
VerwaltungSehr viele Einstellungen, braucht EinarbeitungÜbersichtlicher und schneller erlernt

Welche Bausteine genau enthalten sind, hängt bei beiden Anbietern vom gewählten Tarif ab. Ein zweiter Blick lohnt sich, bevor Lizenzen für das ganze Team gebucht werden.

Office-Dateien entscheiden öfter als jede Funktionsliste

Die Steuerberatung schickt eine Excel-Tabelle mit Formeln zurück. Ein Kunde erwartet den Vertrag als Word-Datei mit nachverfolgten Änderungen. Der Großhändler liefert seine Preisliste mit Makros. In vielen Betrieben sieht so ein normaler Dienstag aus.

Google Workspace öffnet und bearbeitet solche Dateien. Bei einfachen Briefen und Listen klappt das ohne Auffälligkeiten. Aufwendige Formatierungen, Makros und verschachtelte Formeln überstehen den Weg hin und zurück aber nicht immer unverändert. Wer das jede Woche mehrfach erlebt, verliert Zeit mit Nachbessern.

Dazu kommt die Branchensoftware. Viele Programme für Handwerk, Praxen und Buchhaltung übergeben Briefe an Word, Auswertungen an Excel oder versenden über Outlook. Ob das eigene Programm darauf angewiesen ist, beantwortet der Hersteller in einem kurzen Telefonat. Diese Frage gehört vor jede Entscheidung.

E-Mail und Kalender: Outlook oder Gmail im Browser

Bei Microsoft 365 liegt die Post in Exchange Online und wird meist in Outlook gelesen. Praktisch für Betriebe sind geteilte Postfächer: Eine Adresse wie info@ gehört dann dem Betrieb, drei Leute arbeiten darin, und alle sehen, was schon beantwortet ist.

Google Workspace setzt auf Gmail im Browser. Die Suche ist sehr schnell, statt Ordnern gibt es Labels, und der Kalender ist schlicht und übersichtlich. Gemeinsame Adressen laufen über Gruppen oder über eine Vertretung im Postfach. Das funktioniert, verlangt von langjährigen Outlook-Nutzern aber eine Umgewöhnung.

Eigene Domain, Spamfilter und Apps für das Handy gibt es auf beiden Seiten. Wichtiger als der Anbieter ist die saubere Einrichtung von Postfächern und Domain, damit Nachrichten zuverlässig ankommen.

Dateien und Zusammenarbeit: zwei Arbeitsweisen

Hier spielt Google seine Stärke aus. Ein Dokument ist ein Link. Mehrere Personen schreiben gleichzeitig, kommentieren und sehen jede Änderung sofort. Niemand verschickt mehr Fassungen mit „final“ und „final_neu“ im Dateinamen.

Microsoft 365 kann das inzwischen ebenfalls, im Browser und in den installierten Programmen. Die Ablage verlangt allerdings mehr Ordnung: Firmendateien gehören nach SharePoint, persönliche Arbeitsstände nach OneDrive, und Teams greift auf beides zu. Ohne klare Regeln entstehen schnell drei Orte für dieselbe Datei.

Wer oft ohne stabiles Internet arbeitet, etwa auf der Baustelle oder im Zug, fährt mit installierten Programmen entspannter. Google bietet einen Offline-Modus, der vorher eingerichtet sein muss und weniger kann.

Keines der beiden Pakete ersetzt eine Datensicherung. Was gelöscht wurde, ist nach Ablauf der Papierkorbfrist weg, bei Microsoft wie bei Google.

Verwaltung, Sicherheit und Datenschutz

Konten anlegen, Zwei-Faktor-Anmeldung vorschreiben, Zugänge beim Austritt sperren: Das geht bei beiden an zentraler Stelle. Die Verwaltung von Google ist aufgeräumter. Microsoft bietet deutlich mehr Stellschrauben und in den höheren Tarifen zusätzliche Schutzfunktionen, verlangt dafür aber mehr Einarbeitung. Für die laufende Benutzer- und Rechteverwaltung braucht es in beiden Fällen eine feste Zuständigkeit.

Beim Datenschutz stellen beide Anbieter einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung bereit und bieten je nach Tarif Einstellungen zum Speicherort der Daten. Ob das für den eigenen Betrieb genügt, hängt von der Art der Daten ab und gehört in die Hände des Datenschutzbeauftragten. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Unabhängig von der Wahl gilt: Postfächer und Dateien brauchen eine eigene Datensicherung außerhalb des Anbieters.

Empfehlung: Für wen passt was?

Microsoft 365 ist die bessere Wahl, wenn mindestens einer dieser Punkte zutrifft:

  • Word-, Excel- oder PowerPoint-Dateien gehen täglich an Kunden, Behörden oder die Steuerberatung.
  • Eine Branchensoftware arbeitet mit Word, Excel oder Outlook zusammen.
  • Gemeinsame Postfächer und geteilte Kalender gehören zum Tagesgeschäft.
  • Ein Teil des Teams arbeitet regelmäßig ohne Internet oder mit sehr großen Dateien.

Google Workspace passt, wenn diese Beschreibung eher zutrifft:

  • Das Team erledigt fast alles im Browser und wechselt oft zwischen Geräten.
  • Dokumente entstehen überwiegend intern und werden gemeinsam geschrieben.
  • Kein Programm im Betrieb setzt Office voraus.
  • Die Verwaltung soll schlicht bleiben, Sonderfälle gibt es kaum.

Von einem Mischbetrieb raten wir ab. Zwei Kalender, zwei Ablagen und doppelte Lizenzen kosten auf Dauer mehr Nerven als die Entscheidung für eine Seite. Wer mit Google Workspace gut arbeitet, hat keinen Grund zu wechseln.

Für die meisten Handwerksbetriebe, Praxen und Büros führt der Weg nach unserer Erfahrung zu Microsoft 365. Dort bringt eine geordnete Einrichtung von Microsoft 365 mehr als jede weitere Funktion.

So läuft ein Wechsel ab

Ein Umzug ist in beide Richtungen möglich. Der Ablauf ist immer ähnlich:

  1. Bestand aufnehmen. Welche Postfächer, Verteiler, Kalender und Ablagen gibt es, und was davon wird noch gebraucht?
  2. Ziel festlegen. Lizenzen zuordnen, gemeinsame Adressen und die Ordnung der Ablage planen, bevor Daten wandern.
  3. Daten übertragen. Nachrichten, Termine, Kontakte und Dateien werden im Hintergrund kopiert, während alle normal weiterarbeiten.
  4. Umschalten. An einem ruhigen Tag zeigt die Domain auf das neue System. Danach folgt ein letzter Abgleich, damit keine Nachricht fehlt.
  5. Einweisen. Ein kurzer gemeinsamer Termin zeigt, wo jetzt was liegt.

Wie viel Arbeit darin steckt, hängt von der Zahl der Postfächer, der Datenmenge und der Ordnung im Bestand ab. Mehr dazu steht unter Kosten und Aufwand.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Kann ein Betrieb Microsoft 365 und Google Workspace gleichzeitig nutzen?

Technisch geht das, sinnvoll ist es selten. Die Post einer Domain landet im Normalfall nur in einem der beiden Systeme, und zwei Ablagen führen zu doppelter Suche. Eine Ausnahme sind einzelne Konten, die ein Kunde für ein gemeinsames Projekt verlangt.

Lassen sich Word- und Excel-Dateien in Google Workspace bearbeiten?

Ja, Google öffnet und speichert diese Formate. Bei einfachen Dokumenten fällt kein Unterschied auf. Makros, aufwendige Layouts und große Tabellen sollte man vorher mit echten Dateien aus dem Betrieb testen.

Welches Paket ist für ein Büro mit fünf Arbeitsplätzen einfacher?

Google Workspace ist schneller eingerichtet und leichter zu überblicken. Microsoft 365 braucht am Anfang mehr Planung und passt dafür besser, sobald Office-Dateien und Outlook zum Alltag gehören. Die Größe des Betriebs entscheidet weniger als die Art der Arbeit.

Braucht bei Microsoft 365 jede Person dieselbe Lizenz?

Nein, die Tarife lassen sich mischen. Wer nur E-Mails liest und Termine pflegt, kommt mit einer kleineren Lizenz aus als jemand, der täglich mit Excel und Word auf dem Rechner arbeitet.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

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