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Microsoft 365 Backup: Braucht es eine eigene Sicherung?

Ja, Microsoft 365 braucht ein eigenes Backup. Microsoft hält den Dienst am Laufen, für den Inhalt von Postfächern und Ablagen bleibt der Betrieb selbst verantwortlich. Papierkorb und Versionsverlauf helfen bei kleinen Pannen der letzten Wochen, eine Sicherung ersetzen sie nicht.

Von Mike Heinbuch6 Minuten Lesezeit

Titelgrafik zum Beitrag: Microsoft 365 Backup

Kurz gesagt

  • Microsoft sorgt dafür, dass der Dienst erreichbar ist. Was im Betrieb gelöscht, überschrieben oder verschlüsselt wird, bleibt Sache des Betriebs.
  • Papierkorb und Versionen reichen je nach Einstellung einige Wochen bis wenige Monate zurück. Danach ist Gelöschtes endgültig weg.
  • Eine brauchbare Sicherung liegt außerhalb des Microsoft-Kontos, läuft automatisch und holt einzelne Nachrichten ebenso zurück wie ganze Postfächer.

Wofür Microsoft zuständig ist und wofür der Betrieb

Microsoft betreibt die Rechenzentren, hält die Daten mehrfach vor und sorgt dafür, dass Outlook, Teams und SharePoint erreichbar sind. Fällt dort eine Festplatte oder ein ganzer Standort aus, merkt der Betrieb davon nichts. Das ist Schutz vor Ausfällen bei Microsoft.

Für den Inhalt gilt etwas anderes. Löscht jemand im Betrieb einen Ordner, führt Microsoft diese Löschung zuverlässig an allen Standorten aus. Microsoft nennt das geteilte Verantwortung: Der Anbieter verantwortet die Plattform, der Kunde seine Daten und Zugänge.

Ein Vergleich aus dem Alltag: Der Vermieter sorgt für ein dichtes Dach und funktionierende Leitungen. Was in den Schränken liegt und wer einen Schlüssel hat, ist Sache des Mieters.

Was Papierkorb und Versionen leisten und wo sie enden

Was passiertWas Microsoft 365 von Haus aus bietetWo die Grenze liegt
E-Mail gelöschtOrdner „Gelöschte Elemente“, danach ein versteckter Bereich zur WiederherstellungNach dem Leeren des Ordners in der Standardeinstellung noch rund zwei Wochen
Datei in SharePoint oder OneDrive gelöschtPapierkorb in zwei StufenNach rund drei Monaten endgültig entfernt
Datei überschrieben oder verschlüsseltVersionsverlauf je Datei, dazu das Zurücksetzen einer ganzen AblageDas Zurücksetzen reicht etwa einen Monat zurück
Konto nach einem Austritt gelöschtKonto, Postfach und OneDrive bleiben kurz wiederherstellbarIn der Standardeinstellung rund 30 Tage
Jemand löscht absichtlich mit VerwaltungsrechtenKaum Schutz: Wer die Rechte hat, kann auch Papierkörbe leerenOhne Kopie außerhalb ist nichts mehr da

Die genauen Fristen hängen von Tarif und Einstellungen ab, und Microsoft passt sie gelegentlich an. An der Größenordnung ändert das nichts: Die Bordmittel decken Wochen ab, in einzelnen Fällen wenige Monate.

Vier Fälle, in denen die Bordmittel nicht reichen

  • Der späte Fund. Im Januar räumt jemand die Projektablage auf und löscht einen Ordner zu viel. Im Juni fragt der Kunde nach den Plänen von damals. Der Papierkorb ist längst geleert.
  • Der Austritt. Eine Mitarbeiterin verlässt den Betrieb, das Konto wird gelöscht, damit die Lizenz frei wird. Ein halbes Jahr später braucht jemand ihren Schriftverkehr mit einem Lieferanten.
  • Die Verschlüsselung. Schadsoftware verschlüsselt die Dateien auf einem Rechner. Der Abgleich mit OneDrive überträgt die verschlüsselten Fassungen pflichtbewusst in die Cloud. Versionen helfen, bei Tausenden Dateien in mehreren Ablagen wird das Zurückholen aber zur Geduldsprobe.
  • Das übernommene Konto. Ein Angreifer meldet sich mit erbeuteten Zugangsdaten an, löscht Nachrichten und leert den Papierkorb gleich mit, um Spuren zu verwischen.

Keiner dieser Fälle ist exotisch. Gemeinsam haben sie, dass der Schaden entweder spät bemerkt wird oder die Bordmittel gleich mit trifft.

Warum Abgleich und Aufbewahrungsregeln kein Backup sind

Zwei Dinge werden oft mit einer Sicherung verwechselt. Das erste ist der Abgleich mit OneDrive. Er sorgt dafür, dass eine Datei auf dem Rechner und in der Cloud gleich aussieht. Wird sie gelöscht oder beschädigt, ist sie an beiden Orten gelöscht oder beschädigt.

Das zweite sind Aufbewahrungsrichtlinien. Mit ihnen lässt sich festlegen, dass Inhalte für eine bestimmte Zeit nicht endgültig verschwinden. Gedacht sind sie für Nachweise und Prüfungen, nicht für die schnelle Wiederherstellung. Ein ganzes Postfach samt Ordnern in den Zustand von letztem Dienstag zu bringen, ist damit mühsam. Außerdem liegen diese Daten im selben Microsoft-Konto wie das Original.

Microsoft bietet inzwischen selbst einen zusätzlichen, kostenpflichtigen Sicherungsdienst an. Das sagt genug: Im normalen Tarif ist keine Sicherung enthalten. Wer Nachrichten über Jahre nachweisbar aufbewahren muss, braucht außerdem eine E-Mail-Archivierung. Das ist wieder eine andere Aufgabe.

Was alles in die Sicherung gehört

  • Persönliche Postfächer mit Kalender und Kontakten
  • Geteilte Postfächer wie info@ oder buchhaltung@
  • Alle Bibliotheken in SharePoint, also die gemeinsame Dateiablage
  • OneDrive jeder einzelnen Person
  • Teams: Die Dateien liegen in SharePoint, Unterhaltungen und Kanäle müssen eigens berücksichtigt werden

Vergessen werden häufig die geteilten Postfächer und die OneDrive-Ablagen von Leuten, die selten im Büro sind. Gerade dort liegt oft etwas, das es nirgends sonst gibt.

Woran du eine brauchbare Sicherung erkennst

  • Getrennter Ort. Die Kopie liegt außerhalb des Microsoft-Kontos, bei einem unabhängigen Anbieter mit Rechenzentrum in der EU oder auf einem eigenen Speicher im Haus.
  • Automatisch. Die Sicherung läuft mindestens täglich, ohne dass jemand daran denken muss.
  • Neue Konten inklusive. Wer neu anfängt, wird von selbst mitgesichert.
  • Gezielte Rückholung. Eine einzelne Nachricht, ein Ordner, ein ganzes Postfach oder eine Ablage lassen sich zu einem gewählten Zeitpunkt zurückholen.
  • Lange Aufbewahrung. Die Stände reichen so weit zurück, wie Fehler im Betrieb unbemerkt bleiben können, also eher Monate und Jahre als Wochen.
  • Eigene Zugangsdaten. Das Kennwort der Sicherung ist ein anderes als das der Microsoft-Verwaltung.
  • Meldung und Probe. Ein ausgefallener Lauf wird gemeldet, und die Rückholung wurde mindestens einmal durchgespielt.

Wie sich das in die übrige Datensicherung nach der 3-2-1-Regel einfügt, hängt davon ab, welche Daten zusätzlich im Haus liegen.

In vier Schritten zur Sicherung

  1. Bestand klären. Wie viele Postfächer, geteilte Adressen und Ablagen gibt es, und wie groß sind sie?
  2. Ziel wählen. Anbieter in der EU oder Speicher im Haus, dazu die Dauer der Aufbewahrung.
  3. Einrichten und den ersten Lauf abwarten. Die erste Sicherung kann je nach Datenmenge mehrere Tage dauern, danach werden nur noch Änderungen übertragen.
  4. Rückholung proben. Eine gelöschte Nachricht und einen Ordner aus der Ablage testweise zurückholen und aufschreiben, wie es geht.

Dazu gehört eine Regel für Austritte: Ein Konto wird erst gelöscht, wenn klar ist, wo Postfach und Dateien bleiben. Solche Abläufe sind Teil einer geordneten Verwaltung von Microsoft 365.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Sichert Microsoft die Daten in Microsoft 365 nicht automatisch?

Microsoft schützt die Daten vor Ausfällen der eigenen Technik, nicht vor Fehlern und Angriffen im Betrieb. Gelöschte Inhalte bleiben eine begrenzte Zeit im Papierkorb und verschwinden dann endgültig. Eine Sicherung mit frei wählbarer Aufbewahrung gehört nicht zum normalen Tarif.

Reicht OneDrive als Backup für die Dateien auf dem Rechner?

Nein, OneDrive gleicht ab und sichert nicht. Löschungen und beschädigte Fassungen landen genauso in der Cloud wie jede andere Änderung. Der Versionsverlauf hilft bei einzelnen Dateien, ersetzt aber keine unabhängige Kopie.

Müssen auch Unterhaltungen in Teams gesichert werden?

Das hängt davon ab, was dort besprochen wird. Werden in Teams Absprachen mit Kunden getroffen oder Dateien ausgetauscht, gehören die Inhalte in die Sicherung. Dient Teams nur für Besprechungen, sind Postfächer und Dateiablage wichtiger.

Ist ein Backup dasselbe wie eine E-Mail-Archivierung?

Nein. Ein Backup stellt nach einem Verlust den früheren Zustand wieder her. Ein Archiv bewahrt geschäftliche Nachrichten unveränderbar über Jahre auf, damit sie bei einer Prüfung vorgelegt werden können. Viele Betriebe brauchen beides.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

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