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Die 3-2-1-Backup-Regel: Datensicherung, die im Ernstfall hält

Die 3-2-1-Regel verlangt drei Kopien aller wichtigen Daten, auf zwei verschiedenen Arten von Speicher, eine davon außer Haus. Wer das einhält, übersteht eine defekte Festplatte ebenso wie einen Einbruch oder verschlüsselte Dateien. So sieht die Regel in einem kleinen Betrieb aus, und an diesen Stellen scheitert sie im Alltag.

Von Mike Heinbuch6 Minuten Lesezeit

Geöffnete Festplatten auf einem Tisch

Kurz gesagt

  • Drei Kopien bedeutet: die Daten, mit denen gearbeitet wird, und zwei Sicherungen davon.
  • Zwei Arten von Speicher verhindern, dass ein einzelner Fehler beide Sicherungen gleichzeitig trifft.
  • Eine Kopie außer Haus schützt vor Feuer, Wasser, Diebstahl und Schadsoftware im Büronetz.
  • Eine Sicherung zählt erst, wenn daraus schon einmal etwas zurückgeholt wurde.

Ein Montagmorgen, der die Regel erklärt

Ein Büro mit sechs Arbeitsplätzen sichert seit Jahren jede Nacht auf eine Festplatte, die am Server hängt. An einem Montag sind alle Dateien verschlüsselt, die Schadsoftware kam über einen Anhang ins Haus. Die Festplatte war angeschlossen, also ist sie ebenfalls verschlüsselt. Es gab eine Sicherung, und trotzdem ist nichts mehr da.

Genau diesen Fall verhindert die 3-2-1-Regel. Die Faustregel stammt ursprünglich aus der digitalen Fotografie und hat sich in der IT durchgesetzt, weil sie sich ohne Fachwissen prüfen lässt. Drei Zahlen, drei Fragen: Wie viele Kopien gibt es, auf wie vielen Arten von Speicher, und wie viele davon liegen woanders?

Die 3: drei Kopien der Daten

Gezählt wird das Original mit. Drei Kopien heißt also: die Daten, mit denen täglich gearbeitet wird, und zwei Sicherungen davon. Eine einzige Sicherung genügt nicht, weil auch sie ausfallen kann. Festplatten altern, Sicherungsläufe brechen ab, und beides fällt meist erst auf, wenn die Kopie gebraucht wird.

Wichtig ist, was als Kopie zählt. Ein Ordner, der zwischen zwei Rechnern abgeglichen wird, ist keine Sicherung. Wird die Datei auf dem einen gelöscht oder beschädigt, passiert auf dem anderen wenige Sekunden später dasselbe. Eine Sicherung hält mehrere ältere Stände fest, damit auch der Zustand von letzter Woche zurückkommt.

Die 2: zwei verschiedene Arten von Speicher

Liegen beide Sicherungen auf der gleichen Technik, trifft ein Fehler oft beide. Zwei Festplatten aus derselben Lieferung altern gleich schnell. Zwei Freigaben auf demselben Gerät fallen gemeinsam aus, wenn das Gerät streikt. Deshalb verlangt die Regel zwei unterschiedliche Wege.

Früher hieß das Festplatte und Band. In kleinen Betrieben sieht die Kombination heute meist so aus: ein NAS im Haus, also ein Speicher im Netzwerk, und dazu Speicherplatz bei einem Anbieter im Rechenzentrum. Entscheidend ist, dass die beiden Kopien nicht am selben Gerät, am selben Programm und am selben Passwort hängen.

Die 1: eine Kopie außer Haus

Feuer, Wasserschaden, Einbruch und Überspannung treffen alles, was im selben Gebäude steht. Dasselbe gilt für Schadsoftware, die sich im Büronetz ausbreitet: Sie erreicht jedes Laufwerk, das verbunden ist. Eine Kopie muss deshalb an einem anderen Ort liegen und darf sich vom Büro aus nicht einfach überschreiben lassen.

Zwei Wege sind üblich. Der bequemere ist eine verschlüsselte Sicherung zu einem Anbieter mit Rechenzentrum in der EU, die jede Nacht von selbst läuft. Der klassische sind Wechselplatten, die jemand regelmäßig tauscht und mitnimmt. Das funktioniert, solange diese Person es wirklich jede Woche tut, auch im Urlaub und in der Hochsaison.

Der Aktenschrank im Nebenraum zählt nicht als anderer Ort. Was im selben Gebäude liegt, teilt dessen Risiken.

So sieht die Regel in einem kleinen Büro aus

Ein Büro mit Dateien auf einem Server könnte die drei Kopien so verteilen:

KopieWo sie liegtWovor sie schützt
OriginalServer und Rechner, mit denen täglich gearbeitet wirdVor nichts. Hier entstehen die Schäden
Sicherung im HausNAS, zum Beispiel von Synology, in einem anderen Raum als der ServerDefekte Festplatte, gelöschte oder überschriebene Dateien
Sicherung außer HausVerschlüsselt bei einem Anbieter in der EU oder auf WechselplattenFeuer, Wasser, Einbruch und Schadsoftware im Büronetz

Die Sicherung im Haus ist für den Alltag da: Eine gelöschte Datei ist in Minuten zurück. Die Kopie außer Haus ist die Versicherung für den schlechten Tag.

Daten bei einem Cloud-Dienst zählen in dieser Rechnung als Original. Auch Postfächer und Dateien in Microsoft 365 brauchen deshalb Kopien an anderer Stelle.

In fünf Schritten zur eigenen Sicherung

  1. Daten auflisten. Dateiablage, Postfächer, Buchhaltung, die Datenbank der Branchensoftware und alles, was nur auf einem einzelnen Rechner liegt. Was nicht auf der Liste steht, wird nicht gesichert.
  2. Zwei Fragen beantworten. Wie viel Arbeit darf verloren gehen, und wie lange darf der Betrieb stehen? Daraus ergibt sich, wie oft gesichert wird und wie schnell die Rückholung gehen muss.
  3. Sicherung im Haus einrichten. Automatisch, zu einer festen Zeit und mit mehreren Ständen, damit auch die Fassung von vor drei Wochen noch da ist.
  4. Kopie außer Haus ergänzen. Verschlüsselt und mit eigenen Zugangsdaten, die auf keinem Arbeitsplatz gespeichert sind.
  5. Meldungen einrichten und proben. Jemand erfährt, wenn ein Lauf ausfällt. Danach wird erst eine Datei und dann ein ganzes System testweise zurückgeholt.

Welche Technik dazu passt, hängt von Datenmenge, Internetanschluss und vorhandenen Geräten ab. Den Aufbau im Einzelnen beschreibt die Seite Backup und Datensicherung.

Sechs Fehler, an denen die Regel im Alltag scheitert

  • Die Platte bleibt angesteckt. Was dauerhaft verbunden ist, wird bei einem Befall mitverschlüsselt.
  • Abgleich gilt als Sicherung. Ein abgeglichener Cloud-Ordner übernimmt Löschungen und Fehler sofort.
  • Es gibt nur einen Stand. Die Sicherung von heute Nacht überschreibt die von gestern, samt der beschädigten Datei.
  • Die Datenbank fehlt. Warenwirtschaft und Praxissoftware lassen sich im laufenden Betrieb nicht einfach kopieren und brauchen ein eigenes Verfahren.
  • Niemand liest die Meldungen. Der Lauf bricht seit Wochen ab, die Hinweise landen in einem Postfach, das keiner öffnet.
  • Die Rückholung wurde nie geprobt. Ob eine Sicherung taugt, zeigt erst der Versuch, etwas daraus zurückzuholen.

Die Erweiterung 3-2-1-1-0: eine Kopie, die niemand ändern kann

Seit Schadsoftware gezielt nach Sicherungen sucht, wird die Regel oft um zwei Ziffern ergänzt. Die zusätzliche 1 steht für eine Kopie, die vom Netz getrennt oder unveränderbar gespeichert ist. Selbst wer das Kennwort der Verwaltung erbeutet, kann sie nicht löschen. Die 0 steht für null Fehler bei der geprobten Wiederherstellung.

Für kleine Betriebe ist das kein Luxus. Eine Wechselplatte, die getrennt im Regal liegt, oder ein Speicher mit Schreibschutz für einen festen Zeitraum genügt. Wichtig bleibt die Abgrenzung: Eine Sicherung bringt den Betrieb nach einem Schaden zurück. Unterlagen über Jahre nachweisbar aufzubewahren, ist Aufgabe der Archivierung.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Reicht eine externe Festplatte als Backup?

Als einzige Sicherung reicht sie nicht. Sie ist eine Kopie auf einer Art von Speicher am selben Ort, es fehlen also die zweite Sicherung und die Kopie außer Haus. Als Wechselplatte, die regelmäßig getauscht und mitgenommen wird, kann sie ein Teil der Lösung sein.

Zählt ein Cloud-Speicher als Kopie außer Haus?

Ja, wenn dort eine echte Sicherung mit älteren Ständen liegt. Ein Ordner, der nur abgeglichen wird, zählt nicht, weil er jede Löschung übernimmt. Achte außerdem auf Verschlüsselung und auf ein Rechenzentrum in der EU.

Wie oft sollte ein Betrieb seine Daten sichern?

So oft, dass sich die Arbeit zwischen zwei Sicherungen notfalls wiederholen lässt. Für viele Büros ist ein Lauf pro Nacht ein guter Anfang. Kassen, Buchungssysteme und Datenbanken mit ständigen Änderungen brauchen kürzere Abstände.

Wie lange sollten Sicherungen aufbewahrt werden?

Lange genug, um einen Fehler zu bemerken. Manche Schäden fallen erst nach Wochen auf, etwa eine überschriebene Vorlage oder ein gelöschter Projektordner. Üblich ist eine Staffelung aus täglichen, wöchentlichen und monatlichen Ständen.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

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