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Corporate Design: Was gehört dazu?

Zu einem Corporate Design gehören sechs Bestandteile: Logo, Farben, Schriften, Bildsprache, Gestaltungsregeln und fertige Vorlagen. Ein kleiner Betrieb braucht zuerst die ersten drei mit festen Werten, der Rest wächst mit den Anwendungen. Die Übersicht unten zeigt, was jeweils festgelegt wird und wo es im Alltag auftaucht.

Von Mike Heinbuch6 Minuten Lesezeit

Hände halten einen Farbfächer

Kurz gesagt

  • Corporate Design ist das sichtbare Erscheinungsbild eines Betriebs, vom Türschild bis zur Rechnung.
  • Logo, Farben und Schriften bilden den Kern. Ohne feste Werte sieht jede neue Datei etwas anders aus.
  • Den größten Nutzen im Alltag bringen Vorlagen, weil mit ihnen das Richtige zugleich der bequemste Weg ist.
  • Für kleine Betriebe genügt ein Leitfaden von wenigen Seiten, den alle kennen, die Dateien erstellen.

Ein Malerbetrieb hat drei Fahrzeuge aus drei Jahren, jedes anders beschriftet. Der Briefbogen ist blau, die Website grün, das Angebot kommt in der Standardschrift der Textverarbeitung. Keines dieser Stücke ist für sich genommen falsch. Zusammen wirken sie wie drei verschiedene Firmen.

Genau hier setzt Corporate Design an. Der Begriff meint alle sichtbaren Festlegungen, die dafür sorgen, dass ein Betrieb überall wiedererkannt wird: an der Hauswand, im Briefkasten, im Browser und auf dem Handy. Das Logo ist dabei nur der bekannteste Teil.

Oft fällt im selben Atemzug der Begriff Corporate Identity. Er ist weiter gefasst und beschreibt, wie ein Unternehmen insgesamt auftritt, spricht und handelt. Das Corporate Design ist der Teil davon, den man sehen kann.

Die sechs Bestandteile im Überblick

BestandteilWas festgelegt wirdWo es sich zeigt
LogoFassungen für hellen und dunklen Grund, einfarbige Variante, Mindestgröße, SchutzraumSchild, Fahrzeug, Website, Stempel
FarbenHaupt- und Nebenfarben mit Werten für Bildschirm und Druck, dazu neutrale TöneWebsite, Drucksachen, Folien, Arbeitskleidung
SchriftenEine Schrift für Überschriften, eine für Fließtext, eine Ersatzschrift für Büroprogramme, geklärte LizenzBriefe, Angebote, Website, Anzeigen
BildspracheArt der Fotos, Licht und Ausschnitt, Stil von Symbolen und ZeichnungenWebsite, Flyer, Social Media, Stellenanzeigen
GestaltungsregelnRänder, Abstände, Platz des Logos, Umgang mit FarbflächenJede Seite, jede Anzeige, jedes Schild
VorlagenFertige Dateien für wiederkehrende AufgabenBrief, Angebot, Präsentation, Signatur, Beiträge

Die Reihenfolge in der Tabelle ist zugleich die Reihenfolge der Arbeit. Erst wenn Logo, Farben und Schriften stehen, lassen sich Regeln und Vorlagen sinnvoll ableiten.

Logo, Farben und Schriften bilden den Kern

Beim Logo geht es im Corporate Design weniger um die Form als um den Umgang damit. Welche Fassung steht auf dunklem Grund, wie klein darf es werden, wie viel Abstand hält es zu Text und Rand? Sind diese Fragen einmal beantwortet, muss sie niemand mehr vor jeder Bestellung neu klären.

Bei den Farben zählen Werte, keine Namen. „Unser Blau“ ist ohne Zahl bei jeder Druckerei ein anderes Blau. Festgehalten werden deshalb die Werte für den Bildschirm und für den Druck, bei Bedarf auch der Farbton für Folie oder Lack.

Bei den Schriften wird die Lizenz gern vergessen. Druck, Website und Büroprogramme sind bei vielen Schriften getrennt lizenziert. Dazu kommt ein praktisches Problem: Die Hausschrift ist nicht auf jedem Rechner installiert. Für Briefe und E-Mails legt man deshalb eine Ersatzschrift fest, die jedes Büroprogramm mitbringt.

Diese drei Bausteine entwickeln wir bei Logo und Corporate Design zusammen, entweder neu oder aufbauend auf dem, was im Betrieb schon eingeführt ist.

Bildsprache und Regeln halten alles zusammen

Zwei Betriebe können dieselben Farben verwenden und trotzdem völlig verschieden wirken. Den Unterschied machen die Bilder. Eine Physiotherapiepraxis zeigt helle Räume mit Tageslicht und Menschen in Bewegung. Eine Schlosserei zeigt Material aus der Nähe, Hände am Werkstück und fertige Geländer am Haus.

Zur Bildsprache gehört die Entscheidung, ob eigene Aufnahmen oder gekaufte Bilder verwendet werden, wie stark bearbeitet wird und in welchem Stil Symbole gezeichnet sind. Eigene Fotos aus dem Betrieb prägen einen Auftritt stärker als jede Farbe.

Die Gestaltungsregeln sind unscheinbarer. Sie legen fest, wo das Logo auf einer Seite steht, wie breit Ränder sind und wie viel Fläche eine Farbe einnehmen darf. Solche Regeln fallen niemandem auf, solange sie eingehalten werden. Fehlen sie, wirkt jede Seite wie neu erfunden.

Vorlagen sparen jeden Tag Zeit

Die schönsten Festlegungen helfen wenig, wenn im Büro niemand weiß, wie daraus ein Angebot wird. Vorlagen lösen das. Wer eine fertige Datei öffnet, in der Logo, Schrift und Ränder schon stimmen, macht automatisch alles richtig.

  • Briefbogen, Angebot und Rechnung für Textverarbeitung und Rechnungsprogramm
  • E-Mail-Signatur für alle Mitarbeiter in gleicher Form
  • Präsentation mit Titel-, Text- und Bildseite
  • Beiträge und Titelbilder für Social Media
  • Stellenanzeige, Aushang und Hinweisschild für den Betrieb

Drucksachen wie Visitenkarte, Flyer oder Fahrzeugbeschriftung entstehen aus denselben Festlegungen. Wir gestalten sie im Printdesign und liefern die Dateien so, wie die Druckerei sie verlangt.

Was ein kleiner Betrieb zuerst braucht

Niemand muss alle sechs Bestandteile auf einmal bestellen. Sinnvoll ist ein Aufbau in drei Stufen.

  1. Grundlage. Logo in allen Fassungen, zwei bis drei Farben mit Werten, zwei Schriften mit geklärter Lizenz. Diese Stufe sollte stehen, bevor irgendetwas gedruckt oder beklebt wird.
  2. Alltag. Visitenkarte, Briefbogen, E-Mail-Signatur und eine Website, die dieselben Farben und Schriften verwendet.
  3. Ausbau. Fahrzeug, Arbeitskleidung, Schilder, Vorlagen für Social Media und ein Fototermin, der die Bildsprache festlegt.

Für Gründer heißt das: Stufe eins und zwei vor der Eröffnung, der Ausbau folgt mit den ersten Aufträgen. Ein bestehender Betrieb beginnt anders. Zuerst wird gesichtet, was im Umlauf ist, dann werden die Dateien geordnet und die Abweichungen Stück für Stück beseitigt. Das neue Fahrzeug bekommt die neue Beschriftung, die alten folgen beim nächsten Wechsel.

Der Leitfaden: wenige Seiten, die benutzt werden

Alle Festlegungen stehen am Ende in einem Dokument, oft Styleguide genannt. Große Unternehmen füllen damit dicke Handbücher. Ein Betrieb mit zehn Mitarbeitern braucht eine Handvoll Seiten, die jemand tatsächlich aufschlägt.

  • Logo-Fassungen mit je einem Beispiel für richtige und falsche Anwendung
  • Farbwerte für Bildschirm und Druck
  • Schriften mit Angaben zu Größe und Einsatz
  • Beispiele für Bilder, die passen, und solche, die nicht passen
  • Der Ablageort aller Dateien und eine Ansprechperson für Rückfragen

Der Leitfaden geht an alle, die für den Betrieb etwas gestalten: Druckerei, Werbetechniker, Webdesigner und die Kollegin, die Aushänge schreibt. Alte Logodateien verschwinden gleichzeitig aus den Ordnern, sonst tauchen sie wieder auf.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Was ist der Unterschied zwischen Corporate Design und Corporate Identity?

Corporate Identity beschreibt das gesamte Selbstbild eines Unternehmens, Corporate Design ist der sichtbare Teil davon. Zur Identity zählen auch Sprache und Verhalten, etwa der Ton am Telefon oder der Umgang mit Reklamationen.

Braucht ein kleiner Betrieb wirklich ein Corporate Design?

Ja, in einem Umfang, der zur Größe passt. Schon ein Betrieb mit zwei Personen verschickt Angebote, hat eine Website und vielleicht ein beschriftetes Fahrzeug. Feste Farben, Schriften und Logo-Fassungen reichen aus, damit diese Stücke zusammenpassen.

Muss nach der Einführung alles neu gedruckt werden?

Nein. Vorhandene Drucksachen werden aufgebraucht und bei der nächsten Bestellung umgestellt. Sofort ändern lässt sich, was nichts kostet: E-Mail-Signatur, Vorlagen im Büro und die Profile im Internet.

Wie viele Farben und Schriften sind sinnvoll?

Für die meisten Betriebe genügen eine Hauptfarbe, ein bis zwei Nebenfarben, einige neutrale Töne und zwei Schriften. Mehr Auswahl führt im Alltag selten zu besseren Ergebnissen, aber oft zu Unruhe.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

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