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Prozesse automatisieren: 10 Abläufe für kleine Betriebe

Automatisieren lässt sich, was häufig vorkommt, immer gleich abläuft und festen Regeln folgt. In kleinen Betrieben sind das vor allem die Handgriffe zwischen zwei Programmen: abtippen, weiterleiten, erinnern, ablegen. Die zehn Abläufe unten kommen in fast jedem Betrieb vor und lassen sich einzeln angehen, ohne die vorhandene Software auszutauschen.

Von Mike Heinbuch6 Minuten Lesezeit

Titelgrafik zum Beitrag: Abläufe automatisieren

Kurz gesagt

  • Geeignet sind Abläufe, die oft vorkommen, immer gleich sind und keine Entscheidung im Einzelfall verlangen.
  • Der größte Gewinn liegt selten in einem großen Projekt. Er liegt in den kleinen Übergaben zwischen Website, Postfach, Kalender und Buchhaltung.
  • Die Reihenfolge lautet: erst messen, dann vereinfachen, dann automatisieren, und das Ablauf für Ablauf.
  • Was Fingerspitzengefühl braucht, etwa Reklamationen oder Verhandlungen, bleibt bei Menschen.

Woran ein Ablauf zu erkennen ist, der sich eignet

Nicht jeder lästige Handgriff ist ein Fall für Automatisierung. Drei Fragen trennen die lohnenden von den übrigen:

  • Wie oft? Was täglich oder wöchentlich anfällt, lohnt sich. Was zweimal im Jahr vorkommt, selten.
  • Immer gleich? Der Ablauf folgt festen Schritten, und Ausnahmen sind wirklich Ausnahmen.
  • Klare Regel? Es lässt sich in einem Satz sagen, was wann passieren soll: Wenn eine Anfrage eingeht, dann lege einen Kontakt an.

Treffen alle drei zu, steht dem Automatisieren wenig im Weg. Gebraucht werden dafür meist keine neuen Programme, nur Verbindungen zwischen den vorhandenen. Solche Verbindungen heißen Schnittstellen: Darüber reichen Programme Daten weiter, ohne dass ein Mensch dazwischen sitzt.

Anfragen und Termine: Abläufe 1 bis 3

1. Anfragen landen direkt in der Kundenverwaltung

Das Formular auf der Website schickt bisher eine E-Mail, die jemand liest und abtippt. Automatisiert entsteht aus jeder Anfrage sofort ein Kontakt mit einer Aufgabe für die zuständige Person. Der Interessent bekommt eine Eingangsbestätigung mit der Auskunft, wann er mit einer Antwort rechnen kann.

2. Termine bestätigen und erinnern

Nach der Online-Buchung geht eine Bestätigung hinaus, am Vortag eine Erinnerung. In Praxen, Studios und bei Handwerkern mit Terminen vor Ort werden so erfahrungsgemäß weniger Termine vergessen. Der Termin steht gleichzeitig im Kalender des Teams.

3. Angebote nachfassen

Ein Angebot geht hinaus, und dann passiert oft nichts mehr. Eine einfache Regel hilft: Bleibt die Antwort nach einer festgelegten Zahl von Tagen aus, erscheint eine Aufgabe zum Nachfassen, oder es geht eine freundliche Nachfrage hinaus.

Aufträge und Rechnungen: Abläufe 4 bis 6

4. Vom Angebot zur Rechnung ohne Abtippen

Kundendaten und Positionen werden einmal erfasst und wandern vom Angebot in den Auftrag und von dort in die Rechnung. Jede Abschrift weniger ist eine Fehlerquelle weniger. Viele Programme können das intern, schwierig wird es erst zwischen zwei verschiedenen Systemen.

5. An offene Rechnungen erinnern

Zahlungseingänge werden mit den offenen Posten abgeglichen. Ist eine Rechnung überfällig, geht eine Zahlungserinnerung hinaus, zuerst freundlich, später deutlicher. Ob ein Stammkunde ausgenommen wird, entscheidet weiterhin ein Mensch.

6. Belege an die Buchhaltung übergeben

Ausgangsrechnungen, Eingangsrechnungen aus dem Postfach und Zahlungsdaten gehen gesammelt an die Buchhaltungssoftware oder die Steuerkanzlei. Statt am Monatsende einen Ordner zusammenzustellen, läuft die Übergabe täglich im Hintergrund.

Team und Organisation: Abläufe 7 bis 10

7. Stunden und Arbeitsnachweise einsammeln

Monteure oder Aushilfen tragen ihre Zeiten am Handy ein, statt Zettel abzugeben. Die Angaben stehen sofort am Auftrag und fließen in Lohn und Rechnung. Das Abtippen am Freitagnachmittag entfällt.

8. Bestellungen aus dem Shop weitergeben

Eine Bestellung löst mehrere Schritte aus: Lagerbestand anpassen, Versandetikett erzeugen, Rechnung erstellen, Kunden benachrichtigen. Bei einem Händler mit einigen Bestellungen am Tag summiert sich jeder dieser Handgriffe.

9. Dokumente benennen und ablegen

Angebote, Lieferscheine und Rechnungen entstehen als Datei mit einheitlichem Namen und landen im richtigen Kundenordner. Wer später sucht, findet. Mit Microsoft 365 und SharePoint ist dafür oft schon alles vorhanden.

10. Die Monatsauswertung zusammenstellen

Umsätze, offene Angebote und Auslastung kommen aus drei Programmen und werden von Hand in eine Tabelle kopiert. Automatisiert liegt die Auswertung am Ersten des Monats fertig im Postfach, immer nach demselben Schema.

Was besser von Hand bleibt

Automatisierung hat Grenzen, und es ist gut, sie zu kennen. Nicht geeignet sind Aufgaben, bei denen jedes Mal neu abgewogen wird:

  • Reklamationen und heikle Kundengespräche
  • Angebote für Sonderfälle, die Erfahrung verlangen
  • Entscheidungen über Kulanz, Nachlässe oder Zahlungsaufschub
  • alles, was nur selten vorkommt und jedes Mal anders aussieht

Hier kann Technik vorbereiten, aber nicht entscheiden. Sie stellt die Unterlagen zusammen, erinnert an die Frist und legt das Ergebnis ab. Bei Eingaben in freier Form, etwa E-Mails in ganzen Sätzen oder eingescannten Belegen, kann zusätzlich ein KI-Assistent vorsortieren. Die Freigabe bleibt beim Menschen.

So gelingt der Einstieg in vier Schritten

  1. Eine Woche mitschreiben. Jeder notiert, was er abtippt, kopiert oder weiterleitet, und wie lange es dauert. Die Liste überrascht fast immer.
  2. Erst vereinfachen. Manche Schritte existieren nur aus Gewohnheit. Was entfallen kann, muss nicht automatisiert werden.
  3. Mit einem Ablauf beginnen. Am besten mit dem, der oft vorkommt und wenig Ausnahmen kennt. Der erste Erfolg überzeugt auch die Skeptiker im Team.
  4. Kontrolle einbauen. Jede Automatisierung braucht ein Protokoll und eine Meldung, wenn etwas hängt. Sonst fällt ein Fehler erst auf, wenn ein Kunde nachfragt.

Ein schlechter Ablauf wird durch Automatisierung nicht besser, nur schneller. Aufräumen kommt vor dem Verbinden.

Fertige Funktion, Verbindung oder eigene Entwicklung?

Vieles aus der Liste können vorhandene Programme bereits, die Funktion ist nur nicht eingeschaltet. Der erste Blick gehört deshalb in die Einstellungen der Software, die schon im Einsatz ist. Erinnerungen an Termine oder Zahlungen gehören häufig dazu.

Der zweite Weg ist die Verbindung zweier Programme über ihre Schnittstellen. Das ist unser Alltag im Bereich Automatisierung und Schnittstellen: Wir prüfen, was die beteiligten Systeme hergeben, und bauen die Übergabe mit Protokoll und Fehlermeldung.

Erst wenn zu viele Umwege nötig werden oder ein Ablauf in keinem Programm richtig aufgehoben ist, lohnt sich eine eigene Anwendung. Dann entsteht individuelle Software, die den Ablauf als Ganzes abbildet.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Welche Prozesse sollte ein kleiner Betrieb zuerst automatisieren?

Den Ablauf, der am häufigsten vorkommt und immer gleich läuft. In vielen Betrieben ist das der Weg einer Anfrage von der Website ins System oder die Erinnerung an Termine. Beides ist überschaubar und im Alltag sofort spürbar.

Brauche ich für Automatisierung neue Software?

Meistens nicht. Ziel ist, die vorhandenen Programme zu verbinden und Funktionen zu nutzen, die schon da sind. Ein Wechsel wird erst zum Thema, wenn ein Programm weder Schnittstelle noch Export anbietet.

Fallen durch Automatisierung Arbeitsplätze weg?

In kleinen Betrieben geht es fast nie darum. Automatisiert werden Handgriffe, die niemand gern macht und die von der eigentlichen Arbeit abhalten. Die gewonnene Zeit fließt in Kunden, Aufträge und alles, was liegen geblieben ist.

Was passiert, wenn eine Automatisierung einen Fehler macht?

Dann wiederholt sie ihn, bis es jemand merkt. Deshalb gehören zu jeder Automatisierung ein Protokoll, eine Meldung bei Störungen und eine Testphase, in der alter und neuer Weg parallel laufen. So fallen Abweichungen auf, bevor sie Schaden anrichten.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

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