Zum Inhalt springen

Web-App oder native App: Was passt zum Vorhaben?

Eine Web-App reicht, wenn Menschen Daten ansehen, eintragen und freigeben, am Rechner wie am Handy. Eine native App aus dem Store lohnt sich, sobald das Gerät selbst mitarbeiten soll: Kamera im Dauereinsatz, Mitteilungen, Standort oder Arbeit ohne Empfang. Entscheidend ist also, wo und wie die Anwendung benutzt wird.

Von Mike Heinbuch5 Minuten Lesezeit

Titelgrafik zum Beitrag: Web-App oder App

Kurz gesagt

  • Eine Web-App läuft im Browser, braucht keine Installation und erreicht jedes Gerät mit einem einzigen Stand.
  • Eine native App wird über die Stores von Apple und Google installiert und nutzt Kamera, Standort, Mitteilungen und Offline-Betrieb zuverlässiger.
  • Viele Vorhaben beginnen sinnvoll als Web-App. Die App kommt später dazu und greift auf dieselben Daten zu.

Drei Begriffe, kurz erklärt

  • Web-App: eine Anwendung, die im Browser läuft und sich wie ein Programm bedienen lässt. Man ruft eine Adresse auf, meldet sich an und arbeitet.
  • Native App: ein Programm, das für das Betriebssystem des Handys gebaut ist, also für iOS von Apple oder Android von Google. Installiert wird es über den jeweiligen Store.
  • Plattformübergreifende App: eine App, die aus einer gemeinsamen Code-Grundlage für beide Systeme entsteht. Für Nutzer fühlt sie sich an wie eine native App, in der Entwicklung erspart sie doppelte Arbeit.

Dazu kommt ein Zwischending. Eine Web-App lässt sich als Symbol auf den Startbildschirm legen und heißt dann oft PWA, kurz für „Progressive Web App“. Sie sieht aus wie eine App, bleibt technisch aber eine Seite im Browser.

Web-App und native App im Vergleich

KriteriumWeb-AppNative App
InstallationKeine, Aufruf über eine Adresse im BrowserÜber App Store und Google Play oder als interne Verteilung
UpdatesSofort für alle, beim nächsten AufrufÜber den Store, nach Prüfung durch Apple und Google
Kamera und StandortMöglich, für gelegentliche Nutzung ausreichendZuverlässig, auch im Dauereinsatz
Mitteilungen aufs HandyEingeschränkt und je nach Gerät unterschiedlichVoll unterstützt
Arbeit ohne EmpfangEingeschränkt möglich, weniger verlässlichGut möglich, die Daten liegen auf dem Gerät
Nutzung am RechnerJa, derselbe Zugang auf allen GerätenNein, dafür braucht es zusätzlich eine Web-Anwendung
Laufender AufwandHosting und WartungZusätzlich Store-Konten und Anpassung an neue Betriebssysteme

In der Tabelle steckt eine einfache Regel. Die Web-App gewinnt bei Reichweite und Pflege, die native App bei allem, was mit dem Gerät selbst zu tun hat.

Wann eine Web-App die bessere Wahl ist

Für die meisten Anwendungen im Büro und im Kontakt mit Kunden ist die Web-App der einfachere Weg. Sie passt, wenn diese Punkte zutreffen:

  • Gearbeitet wird überwiegend am Rechner oder Tablet, das Handy ist die Ausnahme.
  • Nutzer kommen selten vorbei, etwa Kunden, die einmal im Monat einen Auftrag ansehen. Dafür installiert niemand eine App.
  • Es geht um Listen, Formulare, Freigaben, Dokumente und Auswertungen.
  • Änderungen sollen ohne Wartezeit bei allen ankommen.
  • Am Einsatzort gibt es WLAN oder Mobilfunk.

Typische Fälle sind ein Kundenportal bei einem Dienstleister, die Auftragsübersicht eines Händlers oder die interne Planung in einem Handwerksbetrieb. Mehr dazu steht auf der Seite Web-Apps und Portale.

Wann sich eine native App lohnt

Eine App wird zum richtigen Werkzeug, sobald das Handy mehr tun soll als anzeigen. Das ist vor allem bei Arbeit unterwegs der Fall.

  • Kein Empfang: Im Keller, in der Halle oder auf dem Land müssen Aufträge trotzdem lesbar und Eingaben speicherbar sein.
  • Fotos in Serie: Wer täglich viele Bilder vom Einsatzort aufnimmt, braucht eine Kamera, die schnell und ohne Umwege am Vorgang hängt.
  • Mitteilungen: Ein neuer Auftrag oder eine Umplanung soll sofort auf dem Sperrbildschirm erscheinen.
  • Standort: Die Anwendung soll während eines Einsatzes wissen, wo jemand ist, etwa für die Planung im Büro.
  • Scanner und Zubehör: Barcodes, Etiketten oder Geräte über Bluetooth lassen sich aus einer App zuverlässiger ansprechen.
  • Tägliche Nutzung: Wer die Anwendung viele Male am Tag öffnet, will ein Symbol antippen und sofort drin sein.

Dem steht mehr Aufwand gegenüber: Entwicklerkonten bei Apple und Google, die Prüfung jeder neuen Fassung und Anpassungen, wenn ein neues Betriebssystem erscheint.

Drei Beispiele aus dem Betriebsalltag

Handwerk: Monteure dokumentieren beim Kunden

Aufträge ansehen, Fotos machen, den Kunden unterschreiben lassen, und das oft im Heizungskeller ohne Netz. Hier führt an einer App kaum ein Weg vorbei. Im Büro läuft dazu eine Web-Anwendung für die Planung.

Dienstleister: Kunden sehen den Stand ihres Auftrags

Kunden melden sich gelegentlich an, laden Unterlagen hoch und lesen den Status. Eine Web-App genügt, und sie funktioniert auf jedem Gerät ohne Installation.

Handel: Stammkunden bestellen nach

Bestellen Geschäftskunden wöchentlich dieselben Artikel, kann beides passen. Eine Web-App ist der schnellere Start. Eine App lohnt sich, wenn Mitteilungen über Neuheiten oder ein Barcode-Scan im Lager des Kunden den Unterschied machen.

Die Entscheidung in vier Fragen

  1. Wo wird gearbeitet? Am Schreibtisch spricht alles für die Web-App, unterwegs vieles für die App.
  2. Was muss das Gerät können? Jede Funktion aus der Liste oben ist ein Argument für die App. Ohne solche Funktionen fehlt der Grund.
  3. Wie oft wird die Anwendung geöffnet? Mehrmals täglich rechtfertigt eine Installation, einmal im Monat nicht.
  4. Gibt es das System dahinter schon? Eine App braucht fast immer eine Datenbank und eine Verwaltung im Browser. Fehlt beides, ist das der größere Teil des Vorhabens.

Empfehlung: Mit der Web-App beginnen, die App gezielt ergänzen

Für die meisten kleinen und mittleren Betriebe ist die Web-App der richtige erste Schritt. Sie ist schneller im Einsatz, erreicht alle Geräte und zeigt im Alltag, welche Funktionen unterwegs wirklich fehlen.

Eine App empfiehlt sich von Anfang an, wenn der Kern der Arbeit draußen stattfindet und ohne Empfang, Kamera oder Mitteilungen nicht funktioniert. Dann entstehen beide Teile zusammen und teilen sich einen Datenbestand. So planen wir es in der App-Entwicklung: eine gemeinsame Grundlage für iOS und Android, dahinter die Web-Anwendung für das Büro.

Welche Punkte den Aufwand einer App bestimmen, steht auf der Seite Kosten.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Kann eine Web-App auf dem Handy wie eine App aussehen?

Ja. Sie lässt sich als Symbol auf den Startbildschirm legen und öffnet sich dann ohne Adresszeile. Bedienung und Aussehen ähneln einer App, technisch bleibt es eine Seite im Browser mit den genannten Grenzen.

Muss eine App für iOS und Android getrennt entwickelt werden?

Nein, das ist heute meist nicht mehr nötig. Beide Fassungen entstehen aus einer gemeinsamen Grundlage, sodass eine Änderung auf beiden Systemen ankommt. Getestet wird trotzdem auf echten Geräten beider Welten, weil sich Kamera und Mitteilungen unterschiedlich verhalten.

Lässt sich eine Web-App später in eine App umwandeln?

Nicht auf Knopfdruck, aber ein großer Teil bleibt nutzbar. Datenbank, Rechte und Abläufe bestehen weiter, die App kommt als zusätzlicher Zugang dazu. Wer das von Anfang an einplant, baut nichts doppelt.

Muss eine App für Mitarbeiter öffentlich im Store stehen?

Nein. Apps für das eigene Team lassen sich auch intern verteilen, ohne öffentlichen Eintrag. Die Entwicklerkonten bei Apple und Google werden trotzdem gebraucht.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

Mehr aus dem Blog.

Alle Beiträge zu Software

Antwort innerhalb eines Werktags

Erzähl uns, was ansteht.

Das erste Gespräch ist kostenfrei, 30 Minuten am Telefon oder im Online-Meeting. Per Formular, E-Mail, Telefon oder WhatsApp.

5,0 bei Google, Bewertungen ansehen Per WhatsApp schreiben