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KI-Assistent mit Firmenwissen: So funktioniert er im Unternehmen

Ein KI-Assistent mit Firmenwissen sucht zu jeder Frage zuerst die passenden Stellen in den Unterlagen des Unternehmens und formuliert daraus eine Antwort mit Quellenangabe. Das Sprachmodell wird dafür nicht neu trainiert, es bekommt die Textstellen erst im Moment der Frage vorgelegt. Wie gut das gelingt, hängt vor allem von der Ordnung in der Ablage ab.

Von Mike Heinbuch5 Minuten Lesezeit

Laptop mit Diagrammen von oben

Kurz gesagt

  • Der Assistent schlägt bei jeder Frage in den hinterlegten Dokumenten nach und nennt, woher die Antwort stammt.
  • Gepflegte Anleitungen, Regelungen und Leistungsbeschreibungen eignen sich gut, Zahlenkolonnen und alte Doppelfassungen schlecht.
  • Zugriffsrechte gelten auch für den Assistenten: Wer einen Ordner nicht öffnen darf, bekommt daraus keine Antwort.
  • Auskünfte an Kunden und alles Verbindliche prüft weiterhin ein Mensch.

Was eine allgemeine Chat-KI über deinen Betrieb nicht weiß

Eine allgemeine Chat-KI hat aus sehr vielen öffentlichen Texten gelernt. Die Rückgaberegeln für Sonderanfertigungen, die aktuelle Reisekostenregelung oder die Einstellwerte einer bestimmten Maschine stehen dort nicht. Fragt jemand trotzdem danach, kommt eine allgemeine Antwort oder eine erfundene.

Das Wissen ist im Betrieb vorhanden, nur verteilt: in Ordnern, Handbüchern, Postfächern und im Kopf der Kollegin, die seit zwanzig Jahren da ist. Ein Assistent mit Firmenwissen macht den schriftlichen Teil davon befragbar.

In vier Schritten von der Frage zur Antwort

  1. Einlesen. Die ausgewählten Dokumente werden in kurze Abschnitte zerlegt und in einem Suchindex abgelegt.
  2. Suchen. Zu jeder Frage findet das System die Abschnitte, die inhaltlich passen, auch wenn andere Wörter verwendet werden als im Dokument.
  3. Formulieren. Das Sprachmodell erhält die Frage, die gefundenen Abschnitte und die Anweisung, nur daraus zu antworten.
  4. Belegen. Die Antwort nennt das Dokument, aus dem sie stammt. Findet sich nichts, sagt der Assistent genau das.

Ein Beispiel: Ein Monteur fragt, in welchem Abstand die Filter einer Lüftungsanlage getauscht werden. Das System findet den passenden Abschnitt in der Wartungsanleitung. Das Sprachmodell formuliert daraus zwei Sätze und setzt den Namen der Datei darunter.

Fachleute nennen dieses Vorgehen Retrieval-Augmented Generation, kurz RAG: erst nachschlagen, dann formulieren.

Der Assistent lernt die Unterlagen nicht auswendig. Er schlägt jedes Mal neu nach. Wird ein Dokument ersetzt, gilt nach dem nächsten Abgleich die neue Fassung.

Allgemeine Chat-KI und Assistent mit Firmenwissen im Vergleich

MerkmalAllgemeine Chat-KIAssistent mit Firmenwissen
Grundlage der AntwortÖffentliches TrainingswissenAusgewählte Unterlagen des Betriebs
Fragen zum eigenen BetriebRät oder bleibt allgemeinAntwortet aus den Dokumenten
QuellenangabeMeist keineVerweis auf das Dokument
ZugriffsrechteSpielen keine RolleRichten sich nach der Ablage
EinrichtungEin Zugang genügtAuswahl der Quellen, Aufbau und Tests
Laufende PflegeKeineUnterlagen aktuell halten

Für allgemeine Texte, Ideen und Formulierungen reicht die allgemeine Chat-KI. Sobald Antworten auf eigenen Regeln, Leistungen oder Anleitungen beruhen sollen, braucht es die Anbindung an die Unterlagen. Sie lohnt sich für Betriebe, in denen dieselben Fragen immer wieder bei denselben Personen landen.

Welche Unterlagen sich eignen und welche nicht

Die Qualität der Antworten folgt der Qualität der Dokumente. Gut geeignet sind Texte, die eine Frage in ganzen Sätzen beantworten:

  • Arbeitsanweisungen, Checklisten und Handbücher
  • Montage- und Wartungsanleitungen
  • Betriebliche Regelungen, etwa zu Urlaub, Reisekosten oder Reklamationen
  • Leistungsbeschreibungen und häufige Kundenfragen mit Antwort

Schwierig wird es bei diesen Quellen:

  • Gescannte Seiten ohne Texterkennung
  • Große Tabellen mit Preisen oder Lagerbeständen. Dafür ist eine direkte Abfrage der Datenbank zuverlässiger.
  • Mehrere Fassungen desselben Dokuments, von denen nur eine gilt
  • Zeichnungen und Pläne, deren Inhalt nicht als Text vorliegt

Deshalb beginnt jedes Projekt mit Aussortieren. Zwanzig gepflegte Anleitungen bringen mehr als ein Archiv, in dem drei Jahrgänge derselben Preisliste liegen.

Wer darf was sehen? Rechte gelten auch für den Assistenten

Ein Assistent, der alles lesen kann, beantwortet auch Fragen zu Gehältern und Abmahnungen. Deshalb richtet sich sein Zugriff nach den Rechten der Person, die fragt. Personal, Buchhaltung und Geschäftsführung bekommen getrennte Bereiche oder bleiben ganz außen vor.

Liegt die Ablage in SharePoint, bilden die dort vergebenen Rechte die Grundlage. Oft zeigt sich bei der Vorbereitung, dass Ordner großzügiger freigegeben sind als gedacht. Das Aufräumen der Benutzer und Berechtigungen und der Ablage in Microsoft 365 gehört dann zum Projekt.

Grenzen, die auch saubere Technik nicht aufhebt

  • Was nirgends aufgeschrieben ist, kann der Assistent nicht wissen.
  • Eine veraltete Anleitung liefert eine veraltete Antwort, sauber formuliert.
  • Auswertungen über viele Dokumente gelingen schlecht. „Wie viele Reklamationen gab es im Frühjahr?“ ist eine Frage für eine Datenbank.
  • Auch mit Quelle kann eine Textstelle falsch gedeutet sein. Bei wichtigen Auskünften wird das Dokument geöffnet.

Nach außen geht deshalb nichts ungeprüft. Der Assistent liefert die Fundstelle und einen Vorschlag, die Auskunft gibt eine Person.

So beginnt ein Betrieb mit dem ersten Wissens-Assistenten

  1. Einen Bereich wählen, in dem viele Rückfragen entstehen, etwa Innendienst oder Einarbeitung.
  2. Die gültigen Unterlagen dafür zusammenstellen und alte Fassungen entfernen.
  3. Zwanzig bis dreißig echte Fragen aus dem Alltag sammeln und als Test verwenden.
  4. Eine kleine Gruppe arbeitet damit und meldet falsche oder fehlende Antworten.
  5. Eine Person benennen, die die Unterlagen aktuell hält.

Wie wir Quellen, Rechte und Tests aufbauen, steht auf der Seite zu KI-Assistenten für den Arbeitsalltag.

Fragen

Häufige Fragen zum Thema.

Wird das Sprachmodell mit unseren Firmendaten trainiert?

Bei dem hier beschriebenen Aufbau nicht. Die Unterlagen liegen in einem eigenen Suchindex, das Modell bekommt pro Frage nur die passenden Ausschnitte. Ob der Anbieter Eingaben darüber hinaus verwendet, wird vertraglich geregelt.

Wie aktuell sind die Antworten?

So aktuell wie die Ablage. Der Suchindex wird in festen Abständen oder bei jeder Änderung mit den Dokumenten abgeglichen. Wer eine Anleitung ersetzt, ändert damit auch die künftigen Antworten.

Kann der Assistent auch Kundenanfragen beantworten?

Technisch ja. Wir raten dazu, intern zu beginnen: Das Team stellt die Fragen und gibt Auskünfte selbst weiter. Ein Einsatz nach außen braucht freigegebene Inhalte, enge Grenzen und eine feste Übergabe an einen Menschen.

Müssen alle Dokumente vorher überarbeitet werden?

Nein. Es genügt, die Unterlagen für den ersten Bereich zu sichten und Dubletten zu entfernen. Lücken zeigen sich im Test von selbst, weil der Assistent dann keine Antwort findet.

Wo liegen die Unterlagen, wenn ein Assistent darauf zugreift?

Die Originale bleiben in der gewohnten Ablage. Suchindex und Sprachmodell laufen bei einem Dienst, der zum Datenschutzbedarf passt, für die meisten Betriebe mit Verarbeitung in der EU. Sollen Inhalte das Haus gar nicht verlassen, lässt sich das System im eigenen Haus betreiben. Dieser Weg braucht passende Hardware und mehr Betreuung.

Mike Heinbuch

Mike Heinbuch

Webdesigner und Softwareentwickler, seit 2021 selbstständig. Über 80 Projekte für Betriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor Ort im Raum München und Dachau.

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